ZEN-Buddhismus

Buddhismus basiert nicht auf den Glauben an ein bestimmtes göttliches Wesen, sondern geht davon aus, dass in jedem Menschen ein göttlicher Funke existiert. Alle Lebewesen sind dabei mit ihrer Umwelt durch vielfältige Abhängigkeitsbeziehungen verbunden. Die bewusste Wahrnehmung dieser gegenseitigen Verbundenheit ist eine wichtige Voraussetzung, um zu der Erfahrung der Einheit zu gelangen.

Der buddhistische Weg ist weniger ein Weg des Glaubens. Es ist ein Weg der Selbsterfahrung, welcher über das Erkennen und Verinnerlichen zum Verwirklichen seiner Prinzipien führt. Buddhismus ist aus der Sicht buddhistischer Lehrer eine spirituelle Wissenschaft, die universell anwendbar ist.

Im buddhistischen Grundverständnis sind wir alle von Leiden betroffen. Es wird nicht nach gesunden Menschen und dem Rest der Menschheit unterschieden. Die meisten Probleme, die wir erleben sind universeller Natur: wie sich aus den Überlieferungen buddhistischen lehren erschließen lässt, litten Menschen bereits vor Jahrhunderten unter ähnlichen Problemen wie wir heute. Wenn wir diese Universalität nachvollziehen können, offenbaren sich Gemeinsamkeiten. Diese Erkenntnis kann uns entlasten. In ihr liegt auch die Er-Lösung. Wenn wir erkennen, welcher Anteil unseres Leidens universeller Natur ist, sind wir eher in der Lage, uns Lösungsmöglichkeiten zu erschließen. In diesem Sinne ist Buddhismus für Matthieu Ricard (buddhistischer Mönch, Naturwissenschaftler und Übersetzer Dalai Lamas) „ein Weg der Verwandlung“. „Er führt vom Leiden zur Befreiung vom Leiden, vom Unwissen zur Erleuchtung, vom Egoismus zum Mitgefühl“, betont Ricard.

Wie buddhistische Lehrer betonen, suchte Buddha nach Wegen, die Menschen von ihrem Leid zu befreien. Die geistige Verfassung des Menschen ist laut buddhistischer Lehre die eigentliche Ursache für Glück oder Unglück. Der Einfluss äußerer Faktoren auf unser Erleben wird dabei keineswegs außer Acht gelassen. Da diese jedoch stets im Wandel begriffen sind, ist die geistige Verfassung das einzige, worauf wir einen Einfluss haben. Sie entscheidet letztendlich darüber, wie wir die äußeren Einflüsse erleben, wie wir Probleme einordnen und wie wir damit umgehen. Die Tendenz, auf bestimmte Ereignisse immer wieder mit gleichen Emotionen zu reagieren, lässt Menschen an diesen Aspekten des Lebens anhaften. Die Neigung zum emotionalen Anhaften kommt ebenso in unseren festen Gewohnheitsmustern zum Tragen. (Quelle: Ennenbach, Matthias (2013): Buddhistische Lebenskunst, München: Lotos Verlag)

Der Weg zur Befreiung führt demnach über das Gewahrwerden unseres Wesens. Es ist der Weg nach Innen. Folglich ist die Selbsterfahrung der Schlüssel zur Verinnerlichung der buddhistischen Prinzipien. Durch meditative Übungen können die Prinzipien des Buddhismus nachvollzogen werden. Hierbei offenbart sich auch die Möglichkeit, die eigenen Schattenseiten kennen zu lernen. Die buddhistische Geistesschulung führt demnach zu uns selbst. Zugleich bietet sie die Chance, das Gefühl, von anderen Lebewesen getrennt zu sein, zu überwinden und die Einheit zu erfahren.

Die buddhistische Lehre besagt, dass wir vielfältige Veranlagungen und Potenziale, für Liebe, Frieden aber auch Zerstörung, Hass und Wut, in uns tragen, die wir in unserem Leben verwirklichen können. Verlässigen wir eine bestimmtes Potenzial, so bleibt es ungeübt und kann sich nicht entfalten. Wir können aber jederzeit uns neu entscheiden, eine bestimmte Veranlagung zu entfalten. Deshalb müssen wir ganz genau in uns hineinhören und erspüren, welche Veranlagungen wir in uns fördern und welche wir beibehalten bzw. entfalten wollen.

Aus buddhistischer Sicht verfügen wir dabei über unendlich viele Möglichkeiten, die wir jederzeit verwirklichen können. Durch Meditation führen wir immer wieder die gewünschten heilsamen Geisteszustände herbei, die dann in unseren Alltag Einzug halten.

Innerhalb des Buddhismus existieren unterschiedliche Strömungen und Herangehensweisen. Während im tibetischen Buddhismus, Niederwerfungen zur Erlangung eines höheren Bewusstseins notwendig sind, sehen die ZEN-Buddhisten allein in der Absicht zur Meditation den Anfang der Erleuchtung. Schon das Sitzen an sich wird in dieser Tradition als heilsam betrachtet.

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